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Nachfragemacht

Themenübersicht

Nachfragemacht bedeutet, dass ein Unternehmen als Abnehmerin in der Lage ist, mit Anbietern bessere Konditionen auszuhandeln als seine Wettbewerber, so etwa, wenn sich das Unternehmen als Abnehmerin dem Ansinnen der Anbieter, die Preise zu erhöhen, erfolgreich widersetzen kann. Aus der Perspektive der betroffenen Marktgegenseite geht es bei der Nachfragemacht um die Substituierbarkeit von Absatzkanälen.

Aus marktstrukturellen Gründen – insb. eine hohe Marktkonzentration - ist Nachfragemacht im Schweizer Detailhandel ein wichtiges Thema, und die Entscheide der WEKO zur Nachfragemacht bewegten sich dementsprechend auch schwergewichtig im Bereich des Detailhandels. Regelmässig stellte sich dabei die Frage nach der kartellrechtlichen Beurteilung individueller wirtschaftlicher Abhängigkeitsverhältnissen, also die nach wie vor umstrittenen Frage nach der relativen Marktmacht im Schweizer Kartellrecht.

Der Themenbereich der Nachfragemacht ist aber auch jenseits der relativen Marktmacht ein fruchtbares Feld für intellektuelle Auseinandersetzungen. So wollen – etwas überspitzt gesagt – die Vorstösse zur Preisdifferenzierung durch ausländische Unternehmen in der aktuellen Revision des Kartellgesetzes den Schweizer Nachfragern per Gesetz zu mehr Nachfragemacht verhelfen. Und im Bereich der unzulässigen Wettbewerbsabreden stellen Einkaufskooperationen, insbesondere im internationalen Verhältnis, die Wettbewerbsbehörden in der Schweiz und Europa vor neue Herausforderungen.

 

Debating Competition Dinner

Am 20. Februar 2014 fand das 6th Debating Competition Dinner im Zunfthaus zur Saffran in Zürich. Das Thema der sechsten Veranstaltung lautete: "Nachfragemacht im Schweizer Detailhandel". Die beiden Impulsreferate wurden von den Herren RA Dr. Jürg Borer, Partner und Leiter der Competition Group von Schellenberg Wittmer, und RA Dr. Christoph Leibenath, Senior Antitrust Counsel Nestlé SA, im Rahmen eines dreigängigen Abendessens gehalten.

Herr Leibenath stellte in seinem Impulsreferat unter Verweis auf die hohe Konzentration in den internationalen Handelsmärkten aktuelle Phänomene in der Lebensmittelversorgungskette dar. Zudem zeigte er vor diesem Hintergrund die Grenzen der kartellrechtlichen Eingriffsinstrumente auf. Herr Borer beleuchtete demgegenüber mitunter unterschiedliche Erscheinungsformen und Aspekte von Einkaufskooperationen sowie Helvetismen im Bereich der kartellrechtlichen Erfassung von Nachfragemacht. Im Weiteren streifte er die Problematik der umstrittenen relativen Marktmacht.

Ein Abstract des Referates von Herrn RA Dr. Leibenath steht zum Download zur Verfügung (PDF).

 

Literatur

Einen Einstieg in das Thema bietet der folgende Artikel:

  • Meinhardt Marcel/Bischof Judith, Nachfragemacht nach revidiertem Kartellrecht, Jusletter, 17. Oktober 2005

Weiteres Material:

  • Graber Andrea/Langenegger Markus, Fusionskontrolle im Schweizer Detailhandel - Ökonomische Aspekte der Verfahren Migros/Denner und Coop/Carrefour, sic! 2009, S. 387 ff., insb. S. 399 ff. (HTML via Swisslex)
  • Nachfragemacht im Kartellrecht - Stand und Perspektiven, Bundeskartellamt, Hintergrundpapier zur Tagung des Arbeitskreises Kartellrecht am 18. September 2008 (PDF)
  • Dähler Rolf/Ducrey Patrik, Kriterien zur Diagnose von Nachfragemacht, NZZ, 8. Februar 2005, Nr. 32, S. 27 (HTML via Swisslex)
  • Kaufmann Oliver, Relative Marktmacht - Konzept, Praxis und Rechtsentwicklung im Schweizer Kartellrecht, Diss., Zürich 2014.
  • RPW 2005/1, S. 146 ff., CoopForte (PDF)